Über München nach Rostock

Ein paar Tage in den Süden. Kroatien wäre schön. Ende September wenn es nicht mehr so heiß ist. Wandern in den Nationalparks. Ein wenig Abkühlung unter den zahlreichen Wasserfällen oder im Mittelmeer. So der Plan…
… und dann kam alles ganz anders.

Der Hotelzug — oder: ich würde es nicht “Schlafen” nennen

Unser Trip in den Süden startete Richtung München, von wo uns der Nachtzug ins Warme bringen sollte. Gut gelaunt, eine Flasche Wein und selbst gebackene Kekse im Gepäck begann die Fahrt sehr unterhaltsam. In München angekommen, kämpften wir uns durch die Massen an Oktoberfestbesuchern zur Tafel mit den Abfahrtszeiten. Nachtzug nach Ljubljana: fällt aus wegen Grenzkontrollen. Verdammt! Die Schlange am Schalter war zum Glück nicht allzu lang und das Bahnpersonal zur Abwechslung unglaublich freundlich (oder sagen wir eher, eine “Was soll’s”-Einstellung hatte sich breit gemacht). Zugfahrt canceln? Kein Problem! Erster Zug zurück? Gegen 4:30 Uhr. Übernachtung in München? Nun ja, Oktoberfestzeit… „Aber sie können im Hotelzug übernachten!“

Im was? Na im Hotelzug! Klar, wenn der Nachtzug nicht fährt, warum sollte man ihn dann nicht als Unterkunft für gestrandete Reisende nutzen? Und wir waren froh, nicht 4h am Bahnhof rumsitzen zu müssen und zu frieren. Aber ich kann auch nicht behaupten, ich hätte geschlafen — es war laut, es war eng und es war stickig. Zumindest habe ich für die Zukunft gelernt: wenn Nachtzug, dann kein Liegen-Abteil!

Dann die Frage: Was fangen wir mit unseren Urlaubstagen an?
Irgendwie ans Meer wollten wir eben doch, aber nach der anstrengend Nacht und nach mittlerweile 8h Zugfahrt, waren uns die Ostseeinseln zu weit entfernt. Vielleicht eine Hansestadt. Rostock? „War ich noch nicht!” „Ich auch nicht” Dann also Rostock!

Rostock bedankt sich mit Sonnenschein

Irgendwie habe ich mir Rostock immer ganz anders vorgestellt. Ich finde der Name der Stadt klingt nach Industrie, nach Tristesse… Dabei schien ich einfach immer verdrängt zu haben, dass Rostock eine Hansestadt ist, und ich norddeutsche Hansestädte liebe: das Hafenfeeling, die Meeresluft, der Baustil, der nordische Dialekt… Und Rostock hat mich als Hansestadt in keiner Hinsicht enttäuscht. Und das Beste: die Stadt bedankte sich für unseren Besuch mit 4 Tagen Sonnenschein und Wärme. Ich bin mir übrigens sicher: in Kroatien hat es 4 Tage lang geregnet!

Und was gibt es schöneres, als mit der S-Bahn oder besser noch mit dem Fahrrad direkt ans Meer zu fahren? Meeresluft schnuppern, Wellenrauschen hören, Möwen beobachten, die Hände und Füße tief im Sand vergraben — Warnemünde, wir kommen!

Überrascht hat mich, wie jung Rostock wirkt. In der Kröpeliner-Tor-Vorstadt reihen sich kleine Handmade-Läden an Wohlfühl-Cafés mit Essen nach meinem Geschmack: nagut, sobald “Süßkartoffel-“ auf der Speisekarte steht, bin ich glücklich. Und es gibt nichts besseres, als sich nach einem langen Tag an der frischen Meeresluft mit einem heißen Sanddornsaft aufzuwärmen. Alles ein bisschen Hipster — aber hey, wo macht es mehr Sinn Anker-Accessoires zu verkaufen als an der Küste?

Warnowufer in der Dämmerung

Ein bisschen Gruseln im Oktober

Sonniges Wetter an der Küste bedeutet oft auch Morgennebel — aber auch unter diesem Schleier hat Rostock etwas für sich. Für unseren Ausflug in den Gespensterwald an der Küste Nienhagens haben wir fast ein wenig gehofft, dass der Nebel sich nicht verzieht. Aber die Sonne war stärker. Gruselig war es daher eher nicht, stattdessen durften wir schöne Lichtspiele der Sonnenstrahlen festhalten. Die gewünschte Portion Oktobergrusel haben wir uns dann bei Karl’s HalloweenBrunch geholt. Blutrote Eierkuchen mit Fledermaus-Gummibärchen — hach wie schön ist doch das Erwachsensein!

Fazit: Die lange Anreise nach Rostock hat sich wirklich gelohnt, denn Rostock hat Wohlfühlfaktor — so viel, dass ich mir fast vorstellen könnte, dort zu leben! Aber nur fast, denn eines fehlt Rostock eben doch: Berge!

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