Über den Sani Pass nach Lesotho

Am Fuß der Drakensberge führt der Sani Pass von Südafrika über die Grenze in das Hochland von Lesotho. Am besten lässt sich der Pass mit einem 4by4 bezwingen. Oder eben zu Fuß. 

Der Sani Pass in den Drakensbergen © dieweltineinerkiste.de
Der Sani Pass in den Drakensbergen © dieweltineinerkiste.de

Einige Tage sind wir jetzt schon auf unserem Roadtrip durch Südafrika unterwegs und wollen nun für ein paar Stunden kurz das Land verlassen. Am Vorabend sind wir vom wunderschönen Coffee Bay kommend in Underberg angekommen. Es folgt mein (nur minimal bearbeiteter) Tagebucheintrag von der Reise:

Von Coffee Bay in die Drakensberge

18.07.: Nach sechs ziemlich zermürbenden Stunden Autofahrt sind wir in Underberg am Fuße der Drakensberge angekomen. Kurz vor der Grenze zu Lesotho herrschen im Moment Temperaturen, die sich irgendwo zwischen 0°C und 5°C bewegen. Nachdem ich sowieso schon zwei Tage mit einer leichten Erkältung „gesegnet“ bin, trägt das sicherlich nicht zu einer Besserung bei.

Von daher liege ich beim Schreiben dieser Zeilen im Schlafsack und über mir sind noch zwei Decken, da auch unser eigentlich schönes Backpacker nicht mit einer Heizung gesegnet ist.

Mit Wemut blicke ich zurück auf Coffee Bay, wo heute Vollmond Party mit kostenlosem Wodka gewesen wäre… Zwar war der Abend gestern auch nicht ohne, aber allein wegen der sommerlichen Temperaturen wünsche ich mich dorthin zurück.

Der Sani Pass nach Lesotho

20.07.: Bevor wir gestern wieder in Richtung Meer gestartet sind, stand erst einmal die Bezwingung des Sani Passes auf dem Programm. Dieser führt über die Drakensberge bis hinein nach Lesotho.

Wir entscheiden uns gegen die Rentnervariante einer geführten Tour mit dem 4by4 (ca. 300 R pro Person) und stattdessen für die Chico-Variante, d.h. über die ersten Ausläufer des Passes bis zur südafrikanischen Grenzstation fahren wir im Auto; anschließend geht es zu Fuß oder per Anhalter weiter.

Gesagt, getan. Also ging es über holprigste Wege eine dreiviertel Stunde bis zur Grenzstation. Dort musste wir den Chico sich selbst überlassen, holten uns den obligatorischen Ausreisestempel, da an diesem Ende des Passes Lesotho auf uns wartete.

1400 Höhenmeter zu Fuß? Oder doch lieber per Anhalter?

Also liefen wir los und hatten knapp sechs Stunden Zeit, 1400 Höhenmeter einmal nach oben und einmal nach unten zu überwinden. Nach einer mehr oder weniger beschissenen Nacht war ich allerdings nach gut einer Stunde bereits am Ende meiner Kräfte.

Wir beschlossen also von nun an den Daumen rauszuhalten, in der Hoffnung, dass einer der zahlreichen Jeeps uns mitnimmt. Und prompt wurden wir auch „Opfer“ der südafrikanischen Gastfreundschaft und wurden in einem 4by4 mitgenommen. Thomas wollte erst weiterlaufen, entschied sich aber doch für die bequemere Variante im Kofferraum. Fahrer und Beifahrerin, beide Geschwister, kamen aus Durban. Mit uns saß eine Frau im Auto, die auch aufgepickt wurde. Ihr Mann hingegen lief bis hoch, welchen wir dann oben auch noch zu Gesicht bekamen (er war auch schon auf dem Kilimandjaro).

Auf dem Weg nach oben passierten wir einen älteren Lesothoer der am frühen Morgen ins Tal gelaufen ist und nun ein Bündel Holz auf dem Rücken nach oben trug. (Jahre später habe ich ihn in einer Dokumentation über Lesotho und den Sani Pass im TV entdecken können!)

Ein Bier im Highest Pub Africas

Der Highest Pub of Africa © dieweltineinerkiste.de
Der Highest Pub of Africa © dieweltineinerkiste.de

Die Strecke verlangte alles vom Jeep ab und schließlich erreichten wir nach knapp 30 Minuten die Grenze zu Lesotho. Dort ging es von der Grenzstation direkt zum höchsten Pub Afrikas. Nach einem Bier und einer erwärmenden Suppe und einem netten Gespräch mit ein paar Indern ging es schon wieder an den Abstieg, fester Überzeugung diesmal zu laufen. Nach ca. 20 Minuten trafen wir wieder auf den Mann mit dem Holz (mittlerweile waren zwei Stunden vergangen, seitdem wir ihn das erste Mal gesehen hatten) und uns tat er wahnsinnig leid. Jeden Tag fahren etliche Jeeps an ihm vorbei und er buckelt sich für ein paar Bündel Holz jeden Tag locker sechs bis acht Stunden ab, da es in Lesotho kein Holz gibt, was verfeuert werden könnte.

Überhaupt ist Lesotho ein sehr armes Land. Die Bewohner erkennt man an den bunten Decken, die sie über den Schultern tragen. Die leben hier oben in kleinen Rundhütten, die man im Rahmen geführter Touren auch besichtigen kann, wo es von den Einheimischen frisches Brot gibt.

„Do you guys need a lift?“

Trotzdem ging es weiter talwärts, da die die südafrikanische Grenze um 16 Uhr ihre Tore schließt. Nach weiteren 20 Minuten angenehmen Fußmarsches hielt neben uns ein Pick-Up. „Do you guys need a lift?“, fragt uns der Fahrer. Da Fahren angenehmer war, stiegen auf die Ladefläche auf und reisten bis zur Grenzstation auf afrikanische Art. Kaum Platz genommen, wurde uns auch gleich ein Bier angeboten, was wir natürlich nicht ablehnten. Die vier Insassen kamen aus Pretoria und so unterhielten wir uns und stellten fest, dass der Fahrer ab und an geschäftlich in Pegnitz bei Nürnberg unterwegs ist. Die Welt ist ein Dorf.

Ab der südafrikanischen Grenze ging es mit dem Chico über die Rumpelpiste zurück zum Backpacken, wo wir auf die anderen warteten, um anschließend weiter in Richtung Port Shepstone und nach Umtentweni zu fahren.

Fazit

Leider war unser Aufenthalt mal wieder viel zu kurz, um wirklich etwas vom Land Lesotho und seinen Bewohnern mitzubekommen. Dafür entschädigt aber die herrliche Bergwelt rund um den Sani Pass. Das grüne Tal, die steilen Felswände links und rechts und die plateauartigen Gipfel. Nicht zu vergessen, der Pub auf 2874 Metern Höhe.

Mehr Informationen: Sani Mountain Lodge, Lesotho

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