Warum es sich nachwievor nicht lohnt Radio zu hören – Dank Sanft und Sorgfältig

Bildquelle: radioeins
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Kannst du dich an deine 3 bewegensten Momente vor dem Radio erinnern?
Meine Radioerlebnisse sehen ungefähr so aus:

Do wah shitty, diddy dum diddy do

Als Kind errinere ich mich daran, wie ich meine erste Hifi Anlage bekam. Damals ein 2nd Hand Produkt der Quelle Handelshaus Marke „Universum“. CD’s haben zu diesem Zeitpunkt irgendwie nicht den Weg zu mir gefunden. Ich habe daher Songs aus dem Radio, die mir gefielen, auf Kassette aufgenommen. Haha. Die würde ich gerne mal wiederfinden.
In meinem Elternhaus dudelte seit eh und je der Schlager & Oldie Heimatkanal – mit dem Hintergund, dass ich nun über ein beängstigendes Schrott-Liedtext-Reportoire verfüge.
Nach der Schulzeit kam dann Ausbildung und Studium. Beides führte mich aus Geldmangel in ca. 1000 verschiedene Mitfahrgelegnheiten quer durch die Republik. Genug Zeit um in nahezu gleicher Anzahl meine Lebensgeschichte diversen „Pendler – Wolfgangs“ zu erzählen. Die Prozedur war fast immer die Gleiche: „Ich mache blablabla… und was machst du so?“ Danach wurde das Radio laut gedreht.

Gehörst du dazu?

Was aus diesem kam, war eigentlich immer das Gleiche. Der beste Schrott von früher, heute und für immer. Alle überregionalen Sender heulten den gleichen Mist, der sich verkaufen muss. Es gab nicht eine Fahrt bei der eine musikalisch, akzeptable Radioshow zu hören war. Ausnahmen waren dabei kleinere Lokalsender, welche sich aber auf der Autobahnauffahrt in ein Rauschen verwandelten. (und Deutschlandradio Kultur. Aber dazu ließ sich niemand überreden.)
Faszinierend empfand ich es, wie wenig Fahrer sich ein eigenes Musikprogramm für die Fahrt vorbereitet hatten. Der größte Teil hatte sich seinem Schicksal ergeben. Armes Deutschland ;-)
Mittlerweile komme ich in den Genuss selbst fahren zu können. Seit meiner MFG Zeit geht mein erster Blick in jedem Auto zuerst auf den optionalen Auxiliary Eingang (Klinke Kabel immer dabei), ob eine Bluetooth Schnittstelle oder ein CD Laufwerk vorhanden ist, dass notfalls mit Geschichten von Heinz Strunk oder Helge Schneider gefüttert werden kann. Denn mein Vertrauen in die deutsche Radiolandschaft wurde im Selbststudium zerstört.
Seit Jahren habe ich keine Radiosender mehr beachtet oder bewusst wahrgenommen, bis ich zufälligerweise eines Sonntag Abends durch Berlin fuhr.
Beim frustrierten Senderwechsel stieß ich dabei auf zwei Typen die so garnicht in die klassische Radiomoderations- Schablone passten. Beide unterhielten sich halb lästernd, halb informativ über irgendwelchen aktuellen Kram.

Geschichten vom Eiswürfel unter der Vorhaut

Soweit nichts neues. Aber die Art der Unterhaltung hat mich gepackt. Scherzend, pöbelnd, vulgär gab es Kommentare zu aktuellen Anlässen aus der Presse und Stories aus deren Leben. Halb wahr, halb erfunden. Ich würde das Konzept mal als „gehobenen oralen Stuhl“ oder „Premium Nöl“ + irgendwelche Musik zusammenfassen. Großartig! Genau meins.
Es scheint wieder Hoffnung zu geben für das deutsche Radio.
Nach dem glücklichen Fund war es das aber auch schon wieder. Der Zufall schlug nicht nochmal zu. Daher habe ich mich auf die Suche nach der Show mit den 2 Quatschköpfen begeben und habe deren Podcast gefunden. Sanft und Sorgfältig mit Olli Schulz und Jan Böhmermann.
Hm, Olli Schulz? Den kenn‘ ich doch. Hatte ich nicht mal seine Backline beim Highfield Festival auf die Bühne geschoben? Damals hieß seine Kapelle noch Olli Schulz und der Hund Marie. Wie auch immer…
Die positive Erfahrung mit einem doch ganz angenehmen Musiker war dann der Grund weshalb ich mir Sanft und Sorgfältig regelmäßig anhörte und seitdem dabei bleibe.

Warum es sich nachwievor nicht lohnt Radio zu hören?

Ebenso wie beim Fernsehen, wird sich auch beim Radio die Konsumart ändern. Formate wie Netflix und Amzon TV machen es vor. Beim Radio ist es der Podcast. Und dieser kommt bei Sanft und Sorgfältig ganz ohne Musik aus. Das hat wohl den Hintergrund, dass jeder der mittlerweile 6 ausstrahlenden Radiostationen, ein unterschiedliches Musikprogramm verfolgt. Hier verweise ich auf meine einleitenden Radioerlebnisse…
Man erlebt im Podcast also hervorragenden, konzentrierten „Premium Nöl“. Ich kann Sanft und Sorgfältig daher nur wärmstens empfehlen und sage: Man braucht das Radio nicht einzuschalten um eine gute Radioshow zu hören. Die Vergewaltigung der Ohren droht hier also nicht.

Olli Schulz und Jan Böhmermann sind nicht wettkampftauglich

Jetzt bleibt nur noch die Frage offen, weshalb dieser Artikel unter der Rubrik Musik zu finden ist?
Der Sanft und Sorgfältig Podcast hat es als einziges geschafft, Musik bei meinen Trainingsfahrten auf dem Rad zu verdrängen. Zwar motiviert die Show nicht aber wenigstens unterhält sie. Und die Passanten schauen so merkwürdig wenn ich lauthals über Schulz & Böhmermanns neusten Ausraster über die BIO-Veggie Bewegung lache.
Hör einfach mal rein!

2 thoughts on “Warum es sich nachwievor nicht lohnt Radio zu hören – Dank Sanft und Sorgfältig

  • 13. November 2015 at 17:53
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    ….und Radio hören lohnt sich doch: Wenn man es schafft, Sanft und Sorgfältig sonntags pünktlich von 16-18 Uhr auf Radio Eins (Livestream im Netz z.B.) zu hören, kommt man in den Genuss des Komplett-Erlebnisses, heisst: Nur hier werden dann auch die Songs gespielt, die Jan B. und Olli S. je nach Stimmung anmoderieren bzw. sich wünschen. Das macht die Sendung nochmal ein ganzes Stück lustiger, schöner, länger, besser….ist halt ein Gesamtkunstwerk. Früher, als das Ding noch live produziert wurde, gab es auch nette Talks zwischen Olli und dem Verkehrsansager oder der Nachrichtensprecherin….
    Deshalb: Im Radio noch besser :-) Natürlich schaffe auch ich es nicht immer, live einzuschalten. Aber es ist immer ne ganz besondere Freude

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    • 18. November 2015 at 13:23
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      Hallo Dina, vielen Dank für dein Interesse am Artikel. Da hast du wahrscheinlich recht. Es fällt mir und anderen aber sicher schwer Sonntags 16 Uhr pünktlich vor dem Radio zu sitzen. Eine Erfahrung wird es aber bestimmt wert sein, die gesamte Sendung zu hören. Ich werde mir daher deinen Rat annehmen.

      Vielen Dank dafür und beste Grüße
      Michael

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