Grahamstown – Oder: Die absurdeste Nacht meines Lebens

Die Erinnerungen an Grahamstown sind geprägt. Geprägt von der vielleicht schrägsten Nacht meines Lebens. Der Nacht in einem Gefängnis.

Stilechte Gitter statt Fenstern
Stilechte Gitter statt Fenstern

Was erstmal so dramatisch klingt, war es dann eigentlich doch nicht. Ich habe nichts verbrochen. Und wurde nicht verhaftet. Auch wenn es sich so anfühlte. Und doch: Die Erinnerung an diese Nacht hat sich eingebrannt und wird nie vergehen.

Aber der Reihe nach. Unser Roadtrip von Kapstadt nach Kapstadt führte uns die ersten Etappen die Südküste entlang. Ein kurzer Stop in Hermanus. Das Aufwachen an dem traumhaften Strand in Wilderness. Ein Besuch des Tsitsikama Nationalparks, der einen bleibenden Eindruck hinterließ. Und dann ging`s weiter. Ziel erstmal unbekannt. Kilometer machen.

Im Dunkeln durch Grahamstown

Und so kam es, dass wir uns irgendwann ein Hostel suchen mussten. Es wurde spät und statt Kilometern auf dem Tacho musste eine Pause her. Unser Ziel: Dieses EINE Hostel. Ein Navi im Handy war damals leider noch nicht Standard und so hieß es, sich durchzufragen.

Dazu muss man aber sagen, dass das in Südafrika im Dunkeln und dann auch noch in Randbezirken so eine Sache ist. Im Auto fühlt man sich in der Regel recht sicher, aber es ist akzeptiert, über eine rote Ampel zu fahren, wenn man sich unwohl fühlt. Zu diesem Moment kam es irgendwann, ich weiß gar nicht mehr warum eigentlich.

Und es kam wie es kommen musste: Eine Polizeistreife bekam das natürlich mit und hielt uns anschließend an. Der Sachverhalt war schnell geklärt und wir erklärten unsere Notlage. Und auch in Südafrika ist die Polizei dein Freund und Helfer und sie boten uns an, ihnen zu folgen. Gesagt getan: Mit Blaulicht (kann auch sein, dass das eine dramaturgische Erfindung von mir ist) ging es los in Richtung Gefängnis!

The Old Gaol

Richtig gelesen! Ins Gefängnis. Denn das „Old Gaol“ Hostel in Grahamstown ist in einem ehemaligen Gefängnis. Die Zimmer sind in ehemaligen Zellen. Und sehen so auch aus. Stockbetten, die bei jeder Bewegung quietschen. Schränke? Fehlanzeige! Wenn man von dem Gittergestell absieht, was womöglich dazu dienen könnte. Fenster? Fehlanzeige! An ihrer Stelle gibt es schlicht Gitter. Gefängnisleben wie es im Buche steht. Es hätte nur noch gefehlt, dass die Türen nur von außen versperrt werden können.

Und zusperren wollten wir die schon ganz gern. Denn die Atmosphäre, die das Hostel im Dunkeln ausstrahlte, war sehr düster und irgendwie auch beklemmend. Das wurde auch noch durch die brennende Mülltonne unterstrichen, die in einem Zwischenhof vor sich hin loderte. Auch kreativ: Die Tür zum vermeintlich sicheren Bereich (man weiß ja nie!), die nur über ein Zahlenschloss zu öffnen war. Der Code: 1234#…

Die Nacht und der Morgen danach

Nach zwei, drei oder vier Bier (wer weiß das noch) stellt sich dann aber schon irgendwann der Schlaf ein. Ohrstöpsel wären nicht schlecht gewesen. Dann hätte man zumindest länger schlafen. Denn um etwa 5 Uhr fühlte sich einer der Häftlinge Gäste gemüßigt in der Dusche derart lautstark singen zu müssen, dass keiner mehr ein Auge zu tat.

Der erste Gedanke: „Hey, wir leben ja noch!“ Schnelles Anziehen, zusammenpacken, losfahren. Auf ein gemütliches Frühstück in Grahamstown hatte irgendwie keiner mehr Lust. Zumindest nicht hier.

Was bleibt?

Was geblieben ist, ist eine Erfahrung. Eine, die ich nicht unbedingt nochmal haben muss, auch wenn es sich wahrscheinlich nur deshalb etwas gruselig anfühlte, weil wir erst im Dunkeln gekommen und auch im Dunkeln schon wieder gefahren sind. Aber es bleibt eine Geschichte, die immer wieder für erstaunte Gesichter sorgt und die einfach im Kopf bleibt. Ob es dort heute auch noch so aussieht? Ich weiß es nicht und will es vielleicht auch gar nicht wissen…

Und das nächste Ziel des Südafrika Roadtrips? Coffee Bay an der Wild Coast.

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