Einmal Nordlichter und zurück

Jetzt beginnt wieder die Zeit, wo sich in Schwedisch Lappland Nordlichter beobachten lassen. Die Temperaturen bescheren einen oft klaren Nachthimmel und mit etwas Glück sieht man so die flackernde Aurora borealis über der Winterlandschaft.

Einmal Nordlichter und zurück © dieweltineinerkiste.de
Einmal Nordlichter und zurück © dieweltineinerkiste.de

Schon lange habe ich Polarlichter bei mir ganz oben auf der Liste von Dingen stehen, die ich unbedingt gesehen haben muss. Anfang des Jahres war es dann endlich soweit. Vom grauen und nicht gerade vom Winter verwöhnten München geht es in den Flieger in Richtung Stockholm, von wo es nach einer Stunde weiter geht nach Kiruna, die nördlichste Stadt Schwedens.

(Achtung: Fliegt man mit SAS ist es oft so, dass das Gepäck nicht automatisch umgeladen wird. Sprich: Das Gepäck muss vom Band geholt und wieder neu aufgegeben werden. Das hat selbst bei einer knappen Stunde Umstiegszeit gut geklappt. Auf jeden Fall sollte das aber einkalkuliert sein. Am besten direkt vor Ort erkundigen, ob es erneut aufgegeben werden muss.)

Frostiger Empfang in Kiruna

Hier erwarten uns gleich einmal scheußliche Temperaturen. Mit Minus 29 Grad begrüßt uns Kiruna. Am kleinen süßen Flughafen heißt es die Koffer zu holen (vorsorglich sind ausreichend warme Ersatzklamotten im Handgepäck mitgeflogen) und den Mietwagen zu übernehmen. Die stehen hier überall quasi angeleint. Auf Grund der Kälte haben nahezu alle Fahrzeuge hier einen Stromanschluss an der Frontseite, um nicht in ein völlig erkaltetes Auto zu steigen. Fix zum Hotel, einchecken und warm einpacken, denn wir wollen noch weiter.

Weiter zum Abisko Nationalpark

Frostige Begrüßung © dieweltineinerkiste.de
Frostige Begrüßung © dieweltineinerkiste.de

Etwa 100 Kilometer nördlich von Kiruna liegt der Abisko Nationalpark, wo wir uns die besten Chancen auf Nordlichter erhoffen. Denn die Vorhersagen sind nur für unseren ersten Abend vielversprechend.

Etwa zwei Stunden geht es über die Bundesstraße bzw. die Eispiste weiter gen Norden. Die Sonne ist längst untergegangen. Auf der Straße treiben wir irgendwann ungewollt ein Rentier vor uns her, welches ob der Schneewände an der Seite nicht in der Lage ist, die Straße zu verlassen.

Irgendwann tut sich neben der Straße eine riesige flache Fläche auf – der Torneträsk See. In Abisko angekommen, ist es viel zu früh. Die besten Chancen auf Polarlichter hat man zwischen 21 und 1 Uhr nachts.

Wir müssen Zeit totschlagen und fahren auf einen Parkplatz. Im Gebüsch schrecken wir versehentlichen einen riesigen Elch auf, der gleich Reißaus nimmt.

Was sind Polarlichter überhaupt?

Polarlichter oder die Aurora Borealis (bzw. auf der Südhalbkugel Aurora australis) sind von der Sonne ausgeworfene aufgeladene Partikel (Sonnenwinde), die ihren Weg durch das All finden und irgendwann auf die Magnetosphäre der Erde treffen und dort die Leuchteffekte hervorrufen. Da die Sonnenwinde vom Magnetfeld der Erde zu den Polen gelenkt werden, treten die Lichter hauptsächlich dort auf. In unseren Breiten gibt es auch regelmäßig Erscheinungen (etwa 10x im Jahr), die allerdings nur äußerst selten wahrgenommen werden können.

Es tut sich was

Gegen 21 Uhr suchen wir ein dunkleres Plätzchen, um nichts zu verpassen. Und siehe da: Am Himmel tut sich etwas. Ein ganz leichtes Glimmen ist erkennbar. Nicht im bekannten Grün, vielmehr ist es Weiß, bald aber schon wieder verschwunden. Ein bisschen enttäuscht ziehen wir weiter und finden einen Standplatz direkt am See. Wir warten und stellen Stativ und Kamera auf. Bald fängt es wieder an zu glimmen. Die ersten Langzeitbelichtungen versprechen uns, dass da wirklich irgendwas ist. Und das ist ein bisschen absurd: Denn man sieht mit der Kamera zunächst einmal viel mehr als mit dem bloßen Auge.

 

Aber die Aktivität nimmt zu und wir springen immer wieder aus dem Auto (dessen Motor ständig läuft – anders sind die Temperaturen nicht zu ertragen) und versuchen den Himmel auf der Speicherkarte zu bannen. Erstaunt schauen wir auf die Displays der Kameras, wo mehr zu passieren scheint als mit dem bloßen Auge wahrnehmbar ist. Aber dann endlich ist es soweit und man kann das Schauspiel richtig beobachten. Vielmehr als ein leichtes Flackern des Himmels wird es leider nie und auch das Farbspektrum ist sehr zurückhaltend und doch ist es irgendwie faszinierend. Nach einer Weile verblasst das Schauspiel auch wieder und wir begeben uns auf den Rückweg nach Kiruna. Da die Nordlicht-Vorhersagen für die nächsten Tage noch schlechter werden, machen wir auch nicht mehr auf die Jagd nach den Leuchterscheinungen.

Perfekte Zeit, perfekter Ort

Die perfekte Zeit Polarlichter zu beobachten ist von Ende Oktober bis Mitte März. Das geht am besten im Norden Schwedens, noch besser in Norwegen rund um Tromsø oder auch in Island. Abhängig ist es zudem welche Sonnenaktivitäten gerade vorherrschen. Bei vielen Sonneneruptionen sind entsprechend auch öfter Nordlichter zu beobachten. Aktuell befinden wir uns in einer Phase, wo die Sonnenaktivität ein wenig nachlässt. Die letzte Hochphase war 2011/2012. Spätestens 2023 sollte aber wieder eine Phase mit maximaler Aktivität anstehen.

Zur Vorbereitung, wann es sich besonders lohnen wird, ist ein Blick auf die Vorhersage für Europa von gi.alaska.edu sehr nützlich. Auch live kann man dabei sein. Im Abisko Nationalpark gibt es eine Webcam, vor der ich schon Stunden zugebracht habe…

Fazit

Bei dem einen Mal wird es nicht bleiben. Nordlichter faszinieren mich ungemein und irgendwann möchte ich es erleben wie über mir der gesamte Himmel in verschiedenen Farben flackert. Noch ein bisschen weiter gen Norden, vielleicht auch ein bisschen länger und dann sollten wir doch Glück haben. Nur das mit den richtigen Kameraeinstellungen muss ich bis dahin noch üben…

4 thoughts on “Einmal Nordlichter und zurück

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